Der Harz ist ein Übernachtungs-Revier für alle, die es unkompliziert mögen: Du suchst dir einen Ort, schlägst dort für die ganze Woche dein Quartier auf und lässt das Gepäck liegen. Das Mittelgebirge ist überschaubar, die Kurorte und Fachwerkstädte liegen dicht beieinander, und fast überall findest du ein Bett, das zum Geldbeutel passt – vom Kurhotel bis zur einfachen Pension im Ort.
Dazu kommt die Vielfalt an Unterkünften auf engem Raum. Das bikergerechte Hotel mit abschließbarer Garage, der urige Harzer Gasthof mit deftiger Küche, die Ferienwohnung für die Gruppe, die familiäre Pension und der Campingplatz an der Talsperre – der Harz deckt jede Art zu übernachten ab, und das zu Preisen, die deutlich unter dem Alpenniveau liegen.
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Ostharz oder Westharz – wo das Quartier günstiger liegt
Der Harz verteilt sich über drei Bundesländer, und die Landesgrenze läuft mitten durchs Gebirge. Der Westharz gehört zu Niedersachsen – hier liegen die bekannten Motorrad-Adressen rund um Goslar, Bad Harzburg, Braunlage und die Oberharzer Bergstädte. Der Ostharz zählt zu Sachsen-Anhalt, der schmale Südzipfel um Nordhausen zu Thüringen. Für die Quartierwahl ist das mehr als eine Formalie: Auf der Ostseite sind Zimmer und Ferienwohnungen im Schnitt eine Ecke günstiger als in den großen West-Kurorten, und mit Quedlinburg und Blankenburg liegen dort zwei der schönsten Fachwerk- und Schlossstädte des ganzen Gebirges.
Fürs Motorrad spielt die Seite kaum eine Rolle, denn der Harz ist kompakt: Von einem Quartier im Ostharz erreichst du die West-Strecken in rund einer Stunde und umgekehrt. Beim Blick aufs Budget landet das Basislager deshalb gern im Ostharz – in Thale am Ausgang des Bodetals, in Quedlinburg oder in Blankenburg – und von dort fährst du beide Hälften ab. Für das dichte Streckennetz und die klassische Motorrad-Infrastruktur direkt vor der Tür bleibst du im Westen. Beide Seiten liegen nah genug beieinander, dass die Grenze auf der Karte im Fahralltag kaum auffällt.
Oberharzer Höhenort oder Fachwerkgasse im Vorland: was das Quartier am Morgen ändert
Der Harz ist ein Mittelgebirge mit einem ungewöhnlich harten Höhensprung auf kurzer Strecke. Goslar, Wernigerode und Osterode liegen bei rund 200 bis 250 Metern, die Oberharzer Orte Braunlage, Clausthal-Zellerfeld, Sankt Andreasberg und Hahnenklee bei 550 bis 620 Metern, Torfhaus knapp unter 800. Zwischen Quartier und Quartier liegen damit gut und gerne fünf Grad Temperaturunterschied, und die spürst du nicht auf der Tour, sondern morgens beim Aufsitzen. Oben steht im Mai regelmäßig Reif auf der Sitzbank, die Scheibe ist beschlagen, der Sattel klamm, und die Wolkenbasis hängt an vielen Tagen genau in diesen Ortslagen. Unten in den Fachwerkstädten startest du in eine trockene Gasse, hast dafür aber vielleicht den Hochnebel, über dem der Oberharz längst in der Sonne liegt. Beides kommt vor, und wer eine Woche bleibt, erlebt beides.
In den Hochlagen um Braunlage, Sankt Andreasberg, Hahnenklee und Torfhaus stehst du morgens sofort im Kurvenrevier – die erste Serpentine liegt wenige Minuten hinter dem Ortsschild. Diese Orte sind zugleich Wintersport-Ziele, entsprechend gut ausgebaut, aber in der Hauptsaison auch etwas teurer und früher ausgebucht. Dazu kommt: Die Fahrsaison beginnt hier oben später, weil sich Nässe und Schnee an den Nordhängen länger halten – oberhalb von 600 Metern ist bis Mitte Mai örtlich noch Bodenfrost möglich.
Unten im Harzvorland – in Osterode, Bad Lauterberg, Bad Sachsa, Seesen oder auf der Ostseite in Blankenburg und Gernrode – wohnst du meist günstiger und wärmer, dafür beginnt jeder Fahrtag mit der Anfahrt den Berg hinauf. Für die lange Tagestour ist das kein Problem, für den schnellen Feierabend-Kurvenspaß schon eher. Ein Mittelweg sind die Orte am Hangfuß wie das Lerbachtal bei Osterode: ruhig und preiswert wie das Vorland, aber mit dem Anschluss an die Höhenstraßen gleich um die Ecke.
Der zweite Unterschied ist banal und wird trotzdem unterschätzt: die Zufahrt. Die Altstädte von Goslar und Wernigerode sind Kopfsteinpflaster, enge Gassen, Fußgängerzonen mit Pollern und Zufahrtsfenstern zum Be- und Entladen. Ein Hotel in einem Fachwerkhaus hat selten einen eigenen Hof; die Maschine landet in einer Sammelgarage oder auf einem Parkdeck ein paar Ecken weiter, und den Weg dorthin machst du mit Gepäck über nasses Pflaster. Dazu kommt die Nachtruhe in einer Wohngasse, in der ein Kaltstart um sieben Uhr jeden im Haus weckt. Die Oberharzer Orte sind das Gegenteil: breite Ortsdurchfahrten, Häuser mit eigenem Hof oder Stellplatz, Rangieren ohne Publikum. In der Gruppe und mit frühem Start fährst du mit dem Höhenquartier ruhiger.
Skiorte in der warmen Hälfte des Jahres
Braunlage, Hahnenklee, Sankt Andreasberg und Schulenberg sind Wintersportorte, und ihr Bettenbestand ist auf Winterspitzen und Schulferien ausgelegt. Im Sommer laufen die Seilbahnen auf Wurmberg und Bocksberg weiter, die Sommerrodelbahnen ebenso, und die Skihänge sind Downhill-Strecken. Das heißt für dich zweierlei. Erstens: Diese Orte haben Kapazität, und unter der Woche ist die Auslastung außerhalb der Ferien überschaubar. Zweitens: Die Konkurrenz um genau die Zimmer, die dich interessieren, kommt im Sommer mit dem Mountainbike. Häuser in den Liftorten haben abschließbare Radräume, Waschplätze und Trockenmöglichkeiten eingerichtet, weil die Bike-Gäste das seit Jahren verlangen. Ein abschließbarer Radraum mit ebenerdiger Zufahrt ist auch für ein Motorrad brauchbar, und das ist in den Höhenorten deutlich häufiger vorhanden als in den Altstadthäusern am Gebirgsrand.
Braunlage, Goslar, Wernigerode, Bad Harzburg oder Oberharz: die Quartierorte im Vergleich
Nicht das einzelne Haus entscheidet über die Woche, sondern der Ort – und im Harz hast du die Wahl zwischen mehreren Charakteren. Braunlage ist das klassische Basislager: einer der höchstgelegenen Kurorte im Oberharz, lebendig, mit Häusern jeder Preisklasse, vom großen Kurhotel bis zur kleinen Pension, dazu Läden und Kneipen fahrbereit vor der Tür. Goslar am Nordrand ist die Wahl für alle, die abends Kultur und eine schöne Kulisse wollen – die UNESCO-Fachwerk-Altstadt mit Kaiserpfalz ist ein Erlebnis, viele Hotels stecken in historischen Häusern, entsprechend gepflegt und meist etwas gehobener im Preis.
Wernigerode auf der Ostseite, die „bunte Stadt am Harz", punktet mit einer der schönsten Fachwerk-Altstädte und einem breiten Angebot an Pensionen und Ferienwohnungen zu fairen Preisen – gemütlich und familiär. Bad Harzburg ist die Kurstadt für alle, die Wert auf Wellness und Komfort legen: viele Kur- und Wellnesshotels, Thermen und ruhige Lage am Waldrand. Einfach, still und günstig wird es im Oberharz in Hahnenklee, Sankt Andreasberg, Altenau oder Clausthal-Zellerfeld – kleine Orte mit urigen Gasthöfen und preiswerten Pensionen, wo du abends deine Ruhe hast und das Motorrad meist unkompliziert im Hof steht.
Der Südharz als eigene Quartierregion
Der Südharz wird bei der Zimmersuche regelmäßig übersehen, und genau das macht ihn interessant. Er ist geologisch ein anderes Gebirge als der Oberharz: Statt Granit und Grauwacke steht hier Gips an, und der Südharzer Zechsteingürtel zwischen Osterode, Bad Sachsa, Nordhausen und dem Ostharzer Rand ist eine Karstlandschaft mit Erdfällen, Trockentälern, Karstquellen und Höhlen. Die Heimkehle bei Uftrungen ist eine der größten begehbaren Gipshöhlen Europas, der Karstwanderweg zieht sich über die gesamte Länge dieses Streifens. Die Landschaft ist offener und wärmer als die Fichtenhöhen, die Straßen laufen über Kuppen und durch Dörfer statt durch Schluchten.
Als Standort bringt der Südharz drei handfeste Vorteile: niedrigere Zimmerpreise als in den Oberharzer Kurorten, weniger Wochenendbetrieb und ein früheres Saisonende der Nässe, weil die Lagen tiefer liegen. Nordhausen ist mit rund 40.000 Einwohnern die größte Stadt der Umgebung, hat Straßenbahn, Bahnanschluss und die bekannte Kornbrennerei-Tradition, dazu die Endstation der Harzer Schmalspurbahnen. Bad Sachsa und Bad Lauterberg liefern die Kurort-Variante mit entsprechendem Häuserbestand. Bezahlt wird das mit Entfernung: Die klassischen Kurvenstrecken des Oberharzes liegen vom Südharz aus 30 bis 50 Kilometer entfernt, und ein Tag, der oben spielen soll, beginnt mit einer halben Stunde Anfahrt.
Quartiere an den Oberharzer Talsperren
Der Oberharz ist von Talsperren durchsetzt, und für die Quartierwahl ist entscheidend, wozu die jeweilige Sperre dient. Grane-, Söse- und Eckertalsperre sind Trinkwassertalsperren. In ihren Schutzzonen ist Baden untersagt, es gibt keine Uferzugänge und keine Stellplätze am Wasser. Die Eckertalsperre liegt zudem im Nationalpark und ist für den Kfz-Verkehr nicht erschlossen. Quartiere in diesen Tälern liegen deshalb nicht am See, sondern in den Ortschaften daneben: Riefensbeek-Kamschlacken oberhalb der Sösetalsperre, Langelsheim unterhalb der Grane, Lautenthal und Wildemann im Innerstetal. Das sind kleine, stille Adressen mit kurzen Wegen in die Kurvenstrecken der Bergstädte.
Die Okertalsperre ist der Gegenentwurf: Hier sind Baden und Wassersport erlaubt, entsprechend gibt es rund um Schulenberg im Oberharz Ufernutzung und Freizeitbetrieb. Die B 498 durchs Okertal, von Oker hinauf Richtung Altenau, ist eine der bekanntesten Motorradstrecken des Gebirges — mit allem, was daran hängt. An Sommerwochenenden ist die Straße voll, mit Ausflugsverkehr, Radfahrern und Wanderern an den Parkbuchten. Direkt am Okertal hast du die Strecke vor der Tür und den Wochenendverkehr gleich mit. Für die Talquartiere generell gilt: Die Schluchtstraßen liegen im Schatten, trocknen spät ab und bleiben nach Regen und im Herbst lange feucht und laubbedeckt. Die ersten Kilometer des Tages sind aus einem Talquartier heraus regelmäßig die rutschigsten.
Motorradhotel, Harzer Gasthof, Pension oder Ferienwohnung?
Bei der Unterkunft hast du im Harz die volle Auswahl, und die Formen unterscheiden sich deutlich. Das klassische Motorradhotel ist die bequemste Lösung: abschließbare Garage oder überdachter Stellplatz, Trockenraum, Frühstück schon früh, oft ein Wirt, der selbst fährt. Der urige Harzer Gasthof ist die bodenständige Variante – ein Familienbetrieb im Ort, mit deftiger Küche, günstigen Zimmern und meist einem sicheren Platz für die Maschine im Hinterhof. Für ein paar Nächte ein Erlebnis, für die ganze Woche ein Zuhause, bei dem der Wirt am Abend noch selbst am Tresen steht.
Die Ferienwohnung rechnet sich, sobald mehrere Fahrer sie teilen: eigener Schlüssel, eigene Küche, ein trockener Raum für die Klamotten – in Wernigerode und den Ostharzer Städten zu Preisen, die unter denen der West-Kurorte liegen. Die Pension oder das B&B ist die preiswerte, unkomplizierte Variante – wenig Service, aber sauber, zentral und familiär, gerade in den Oberharz-Orten reichlich vorhanden. „Parkplatz vorhanden" heißt im Harz nicht automatisch „Motorrad sicher und trocken" – ein kurzer Anruf vor der Buchung erspart dir die nasse Sitzbank am Morgen.
Wildcampen: Nationalpark-Verbot, Schutzhütten und Trekkingplätze
Freies Wildcampen ist in Deutschland in der freien Landschaft und im Wald grundsätzlich nicht erlaubt, und im Nationalpark Harz gilt das besonders streng – das Zelten ist dort schlicht verboten. Wird die Zeltbahn trotzdem gespannt, droht im Schutzgebiet ein empfindliches Bußgeld, das je nach Land und Fall bis in den vierstelligen Bereich reichen kann. Etwas anderes ist das Biwakieren ohne Zelt, nur mit Schlafsack, spät gelegt und früh wieder weg – das wird mancherorts eher geduldet als das aufgebaute Zelt. Ein Anspruch darauf besteht nicht.
Die entspannte Alternative sind die legalen Wege. Entlang der großen Wanderwege wie dem Harzer-Hexen-Stieg stehen zahlreiche Schutzhütten, die eine Nacht ohne Zelt ermöglichen – einfach, oft kostenlos, aber ohne Komfort. Dazu kommen die Trekking- und Naturzeltplätze, wie es sie in vielen deutschen Mittelgebirgen gibt: ausgewiesene Stellen, die du gegen kleines Geld vorab online reservierst und wo das Zelten ausdrücklich erlaubt ist. Und schließlich das Micro-Camping auf Privatgrund – Landwirte und Waldbesitzer bieten über Netzwerke wie Landvergnügen oder Hinterland kleine, ruhige Stellplätze an. So schläfst du günstig unter freiem Himmel, ohne dir Ärger einzuhandeln.
Zeltwiesen an Oker- und Sösetalsperre
Wer mit Zelt reist, findet im Harz eine solide Auswahl an Campingplätzen – an den Talsperren, an den Seen und am Rand der Kurorte. Plätze an der Okertalsperre, an der Sösetalsperre bei Osterode oder rund um Clausthal-Zellerfeld und Braunlage sind bewährte Anlaufstellen, viele mit Kiosk oder kleiner Gaststätte direkt am Platz.
Praktischer Tipp fürs Packen: Der Harz ist ein Mittelgebirge, und auch im Hochsommer wird es nachts empfindlich kühl und morgens klamm – der Brocken ist eine der regenreichsten Ecken Deutschlands. Ein überdachter Stellplatz und ein trockener Fleck für die Maschine sind auf dem Motorrad die wichtigere Ausstattung als jede Freizeitanlage am Platz.
Regentage aus dem Quartier: Brockenbahn, Schaubergwerke und das Welterbe
Durch den Harz dampfen bis heute die meterspurigen Harzer Schmalspurbahnen, und ihre Bahnhofsorte geben ein reizvolles, oft ruhiges Quartier ab. Die Harzquerbahn verbindet Wernigerode mit Nordhausen, die Selketalbahn erschließt den stillen Ostharz um Gernrode, Alexisbad und Stiege, und die Brockenbahn führt hinauf zum höchsten Gipfel des Gebirges. Mit dem Bett in Wernigerode, Drei Annen Hohne oder einem der kleinen Selketal-Dörfer hast du abends die Dampfzüge vor der Tür und tagsüber trotzdem freie Fahrt auf den Landstraßen.
Für Motorradfahrer ist die Bahn an einem Tag besonders viel wert: wenn es regnet. Der Brocken selbst ist für Motorräder ohnehin tabu – hinauf kommst du nur zu Fuß, mit dem Rad oder eben mit der Brockenbahn. Ein verregneter Vormittag im Sattel wird so zum Ruhetag: die Maschine trocken im Quartier lassen, mit dem Dampfzug auf den Gipfel, und am Nachmittag, wenn die Straßen abgetrocknet sind, wieder aufsatteln. Quartiere in Schierke oder Wernigerode liegen dafür am günstigsten, weil von dort die Brockenzüge starten.
Das zweite wetterfeste Programm liegt unter Tage. Der Harz war jahrhundertelang eines der bedeutendsten Bergbau-Reviere Europas, und das prägt bis heute Landschaft und Orte. Rund um Clausthal-Zellerfeld und Sankt Andreasberg zieht sich die Oberharzer Wasserwirtschaft durch den Wald – ein weit verzweigtes System aus Teichen und Gräben, das die Gruben einst mit Wasserkraft versorgte und heute gemeinsam mit dem Bergwerk Rammelsberg über Goslar zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Wer in einer der alten Bergstädte übernachtet, hat diese Geschichte direkt vor der Tür – und zugleich kurze Wege in eines der kurvenreichsten Streckengebiete des Oberharzes. Direkt aus dem Quartier heraus erreichbar:
- Schaubergwerke und Bergbaumuseen in Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Sankt Andreasberg – unter Tage und damit wetterfest, ideal für einen verregneten Nachmittag.
- Die stillen Oberharzer Teiche mit ihren Gräben als Ziel für eine Rast im Sattel oder ein Bad an heißen Tagen.
- Das Welterbe-Bergwerk Rammelsberg über Goslar als Ankerpunkt, wenn dein Quartier im Nordharz liegt.
Wer sein Basislager in eine der Bergstädte legt, hat morgens kurze Wege ins Kurvenrevier und abends ein Stück Harzer Industriegeschichte vor der Tür.
Der Wald nach dem Käfer: Sicht, Hitze und gesperrte Straßen
Seit den Trockenjahren ab 2018 hat der Borkenkäfer die Fichtenbestände des Harzes großflächig zum Absterben gebracht. Im Nationalpark bleibt das Totholz stehen, dort wird nicht geräumt; außerhalb der Schutzgebiete wird geerntet und wiederbewaldet. Das Ergebnis siehst du auf jeder Fahrt über die Höhen um Torfhaus, Oderbrück, Braunlage und Schierke: graue Stangenwälder, Kahlflächen, junger Aufwuchs. Für dich als Gast hat sich damit erstens die Aussicht verändert. Wo früher eine Fichtenwand stand, gibt es heute Fernsicht — von Straßen ebenso wie von Zimmern und Terrassen. Ein als Waldblick beschriebenes Quartier kann heute ein Blick auf abgestorbene Bestände sein, und ebenso gut ein Panorama, das es vor zehn Jahren nicht gab.
Zweitens fehlt der Schatten. Ortsränder und Straßen in den ehemaligen Fichtenlagen heizen sich im Sommer deutlich stärker auf als früher, und Häuser im Oberharz sind für Hitze nicht gebaut — die Bausubstanz dort ist auf kalte Winter ausgelegt. Ein Zimmer unterm Dach kann an einem heißen Julitag zur schlaflosen Nacht werden.
Drittens die Sperrungen. Fäll- und Räumarbeiten an Gefahrbäumen laufen entlang der Kreis- und Landesstraßen und führen tageweise zu Vollsperrungen, überwiegend werktags. Nach Sturmlagen kommen kurzfristige Sperrungen wegen Windwurf dazu, weil abgestorbene Fichten deutlich leichter fallen als gesunde. Im Nationalpark sind aus demselben Grund Wanderwege zeitweise gesperrt. Für die Quartierwahl folgt daraus ein einfacher Punkt: Ein Standort mit nur einer Zufahrtsstraße kann dich einen Umweg kosten, ein Ort mit zwei oder drei Anbindungen nicht. Braunlage, Clausthal-Zellerfeld und Bad Harzburg hängen an mehreren Hauptstrecken, kleine Talorte am Ende einer Stichstraße nicht.
Vier Autobahnen am Rand und was sie für die Quartierwahl bedeuten
Der Harz ist von allen deutschen Mittelgebirgen eines der am besten angebundenen, und das prägt die Nachfrage nach Betten stärker als die Streckenqualität. Im Westen läuft die A7 vorbei, mit den Anschlüssen Richtung Seesen und Osterode als Tor zum Westharz. Von Braunschweig führt die A395 direkt bis Bad Harzburg, wo sie in die B4 übergeht, die über Torfhaus nach Braunlage hinaufsteigt. Am Nordrand zieht seit der Umwidmung der früheren B6n die A36 von Braunschweig über Bad Harzburg, Wernigerode und Quedlinburg weiter nach Bernburg. Im Süden schließlich verbindet die A38 Göttingen mit dem Raum Halle und Leipzig und setzt Nordhausen und den Südharz an eine schnelle Achse.
Für die Übernachtung folgt daraus zweierlei. Erstens ist der Harz ein Kurzreiseziel: Aus Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Leipzig oder Berlin sitzt man am Freitagnachmittag im Sattel und steht am frühen Abend vor dem Quartier. Die Häuser sind auf diesen Rhythmus eingestellt, Freitag bis Sonntag ist die Hauptlast, und Zwei-Nächte-Mindestaufenthalte am Wochenende sind in den Kurorten die Regel. Unter der Woche kippt das Bild vollständig, dieselben Häuser haben dann Luft. Zweitens lohnt sich für einen kurzen Trip ein Quartier am Gebirgsrand statt in der Mitte: Ein Bett in Bad Harzburg, Osterode, Blankenburg oder Nordhausen spart auf der Anreise die letzte Stunde Landstraße und kostet auf der Tour nur wenige Minuten. Bei einer ganzen Woche dreht sich die Rechnung um, weil dann jeder Fahrtag denselben Anmarsch enthält.
Anreise mit Anhänger und der Platzbedarf am Haus
Ein erheblicher Teil der Harz-Gäste kommt aus dem Norden, und ein Teil davon bringt die Maschinen auf dem Anhänger mit. Damit entsteht ein Platzproblem, das mit dem Motorradstellplatz nichts zu tun hat: Zugfahrzeug plus Anhänger belegen an einem Stück gut zehn bis zwölf Meter, und die stehen eine ganze Woche. Die Hotels in den Fachwerkaltstädten am Gebirgsrand können das selten abbilden, weil ihre Stellflächen in Hinterhöfen und Sammelgaragen liegen und Parkdecks Höhenbegrenzungen und enge Rampen haben. Ein Gespann rangiert dort nicht.
In den Oberharzer Wintersportorten ist die Lage umgekehrt komfortabel. Braunlage, Hahnenklee, Sankt Andreasberg und Schulenberg halten Flächen für den Winterbetrieb vor, die im Sommer leer stehen, und die Häuser dort haben eigene, ebenerdige Parkplätze mit Zufahrt von der Ortsdurchfahrt. Für die Anreise mit Anhänger sind diese Orte deshalb die naheliegende Wahl, und der Anhänger bleibt anschließend eine Woche stehen, ohne jemandem im Weg zu sein. Zwei Punkte gehören dazu: Ein abgekoppelter Anhänger braucht ein Sicherungsschloss an der Kupplung, weil er unbeaufsichtigt sieben Tage auf demselben Fleck steht. Und die Zufahrten zu Höfen und Wiesenparkplätzen im Oberharz sind häufig nicht befestigt — ein Anhänger, der nach drei Regentagen auf weichem Grund eingesunken ist, macht am Abreisetag mehr Arbeit als die gesamte Beladung.
Abendversorgung und Harzer Küche
Die Harzer Küche kommt aus einer armen Bergbau- und Waldregion, und das schmeckt man ihr an — im besten Sinn. Ihr bekanntestes Produkt ist der Harzer Käse, ein magerer Sauermilchkäse, der als Rolle oder Scheibe verkauft wird und traditionell mit Zwiebeln, Essig und Öl auf den Tisch kommt. Dazu kommen Forellen aus den Bächen und Teichen des Gebirges, Wild aus den Revieren, kräftige Eintöpfe und im Ostharz die Klassiker der sachsen-anhaltischen Küche. Aus Schierke stammt der Schierker Feuerstein, ein Halbbitterlikör, der seit 1908 dort hergestellt wird und in praktisch jeder Gaststube am Ende der Karte steht.
Für die Planung des Abends zählt weniger die Karte als die Struktur der Orte. In den Kurorten wie Braunlage, Bad Harzburg oder Wernigerode gibt es abends Auswahl, mehrere Häuser haben offen, ein später Küchenschluss ist möglich. In den kleinen Bergstädten und Talorten des Oberharzes reduziert sich das auf ein oder zwei Gasthäuser, die zudem feste Ruhetage haben und deren Küche früh schließt. Halbpension ist deshalb im Harz weiter verbreitet als in vielen anderen Mittelgebirgen, gerade in den Kurhotels, und für Quartiere abseits der größeren Orte die praktikablere Lösung. Ferienwohnungen verlangen umgekehrt den Einkauf im Voraus, weil die Supermärkte in den Höhenorten klein sind und der letzte am frühen Abend zumacht — die großen Märkte stehen in den Randstädten, nicht oben.
Panne im Quartier: Werkstattdichte, Tanken, Rückweg
Die technische Infrastruktur des Harzes liegt am Rand, nicht in der Mitte. Motorradhändler, Reifendienste und Vertragswerkstätten sitzen in Goslar, Bad Harzburg, Osterode, Wernigerode, Quedlinburg und Nordhausen, also in den Städten des Vorlandes. In den Höhenorten gibt es Kfz-Betriebe für Autos, aber kaum jemanden, der kurzfristig einen Motorradreifen auf der Felge hat. Für eine Woche Standquartier ist das ein echtes Argument, den Standort mit dem Ernstfall im Kopf zu wählen: Ein Ort mit Anschluss an eine der Hauptstrecken und einer Randstadt in 20 Kilometern Entfernung ist im Pannenfall eine ganz andere Ausgangslage als ein Talort am Ende einer Stichstraße.
Beim Tanken gilt derselbe Verlauf. Die Dichte der Tankstellen nimmt mit der Höhe deutlich ab, und in den kleinen Orten schließen sie am Abend. Die letzte Etappe eines langen Tages sollte deshalb nicht mit der Reserve geplant werden, zumal die Umwege im Harz durch Sperrungen und Waldarbeiten schnell zweistellig werden. Ein Detail für die Rückfahrt zum Quartier: Die Harzer Schmalspurbahnen sind kein Ersatzverkehr, sie fahren Ausflugsfahrpläne und nehmen kein Motorrad mit. Wenn die Maschine ausfällt, läuft der Transport über den Straßendienst zur nächsten Randstadt — und von dort mit der Bahn nach Hause, denn Goslar, Wernigerode, Osterode und Nordhausen liegen alle an Regionalstrecken. Ein Quartier, das zu Fuß oder mit einer Busverbindung an eine dieser Städte angebunden ist, macht den Abbruch einer Reise erheblich einfacher.
Kurbeitrag, Gästekarte und die Fahrt im Linienbus
Ein großer Teil der Harzer Übernachtungsorte sind anerkannte Kur- und Erholungsorte: Bad Harzburg, Bad Lauterberg, Bad Sachsa, Braunlage, Sankt Andreasberg, Altenau und Hahnenklee gehören dazu. In diesen Orten wird ein Kur- beziehungsweise Gästebeitrag erhoben, pro Person und pro Übernachtung, zusätzlich zum Zimmerpreis und unabhängig davon, ob du eine Woche bleibst oder nur eine Nacht. Er wird separat abgerechnet, nicht im Zimmerpreis geführt, und fällt in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gleichermaßen an. Für das kurze Wochenende zu dritt oder zu viert ist das ein Posten, der auf der Rechnung sichtbar wird, weil er sich pro Kopf multipliziert und nicht pro Zimmer.
Die Gegenleistung ist die Gästekarte, und die kann auf dem Motorradurlaub mehr wert sein als sie klingt. In den teilnehmenden Harzer Orten gilt sie als Fahrschein im Linienbus — das Harzer Urlaubsticket. Der Nutzen zeigt sich an zwei Tagen: am Regentag, an dem du die Maschine stehen lässt und trotzdem in den Nachbarort kommst, und an dem Tag, an dem du zu Fuß eine Strecke gehen willst, ohne am Ende wieder am Ausgangspunkt landen zu müssen. Die Karte bekommst du beim Einchecken mit dem Meldeschein.
Drei Ferienkalender, Wochenendlast und wann du buchen musst
Die Quartier-Saison im Harz läuft grob von Mai bis Oktober, mit einem zweiten Schwerpunkt im Winter für die Ski- und Wanderorte. Wichtig für die Buchung: An Wochenenden, in den Sommerferien und rund um die Feiertage füllen sich die Häuser in Braunlage, Goslar und Wernigerode schnell, und die Preise ziehen spürbar an – der Harz ist ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Biker. Bist du flexibel, kommst du unter der Woche und in der Nebensaison im Mai, Juni oder September deutlich entspannter und günstiger unter.
Für die schönen Häuser in den Fachwerk-Altstädten und die guten Kurhotels gilt: Zum Wochenende und in den Ferien Wochen vorher reservieren, sonst bleibt nur das teure Restzimmer oder die weite Anfahrt zum nächsten freien Bett. Die einfachen Pensionen und Gasthöfe im Oberharz haben dagegen auch kurzfristig oft noch etwas frei – wer spontan unterwegs ist, findet dort am ehesten ein günstiges Zimmer, während die bekannten Orte schon ausgebucht sind.
Dazu kommt eine Harzer Besonderheit: Auf 60 Kilometern Luftlinie gelten drei verschiedene Ferienordnungen – Niedersachsen im Westen, Sachsen-Anhalt im Osten, Thüringen im Südzipfel um Nordhausen. Sachsen-Anhalt und Thüringen starten in den meisten Jahren früher in die Sommerferien als Niedersachsen, und weil sich die Termine nur teilweise überlappen, zieht sich die Hochlast im Harz über einen längeren Zeitraum als in Regionen mit nur einem Ferienkalender. Praktisch bedeutet das: Es gibt im Sommer kaum ein Fenster, in dem das ganze Gebirge gleichzeitig leer ist — dafür verschiebt sich die Nachfrage von Woche zu Woche zwischen den Landesteilen. Wer in einer Ferienwoche keine Unterkunft mehr findet, hat auf der anderen Seite der Landesgrenze, 40 Kilometer weiter, oft freie Auswahl.
Dazu kommen die Quellmärkte. Der Nordharz zieht aus Hannover, Braunschweig und Hamburg, der Ost- und Südharz aus Leipzig, Halle, Magdeburg und Berlin — die Hauptstadt liegt keine drei Autostunden entfernt. Ein Feiertag fällt in allen drei Bundesländern zusammen: Der 31. Oktober ist Reformationstag und gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Er markiert damit ein letztes volles Wochenende der Saison, an dem die Häuser in den Kurorten belegt und die Höhenstraßen entsprechend befahren sind. In Thüringen ist zusätzlich der 20. September als Weltkindertag Feiertag, was den Südharz um Nordhausen betrifft.
Harzer Tourismusverband und die Info-Punkte in Braunlage, Goslar und Wernigerode
Wenn du vor Ort noch etwas brauchst – eine Unterkunft für die nächste Nacht, einen Tipp zu einem Gasthof oder einfach Kartenmaterial – sind die örtlichen Tourismusbüros die richtige Anlaufstelle. Der Harzer Tourismusverband ist die zentrale Stelle für die ganze Region und vermittelt Quartiere über alle Orte hinweg, dazu gibt es besetzte Info-Punkte in Braunlage, Goslar, Wernigerode, Bad Harzburg und den kleineren Kurorten. Sie kennen auch die Häuser, die nicht auf den großen Portalen stehen.
Gerade abseits der bekannten Orte, wo nicht jede Pension online buchbar ist, kommst du über das Tourismusbüro oder einen kurzen Anruf oft schneller und günstiger ans Zimmer als über die großen Buchungsplattformen. Ein zweiter Vorteil: Die Leute vor Ort wissen, welche Häuser einen sicheren, trockenen Stellplatz fürs Motorrad haben – eine Information, die dir kein Portal-Filter so zuverlässig liefert wie der Anruf beim Info-Punkt.
Woran du ein gutes Motorradhotel im Harz erkennst
Nicht jedes Haus ist auf Motorradfahrer eingestellt. So sieht es bei den 30 Häusern aus, die hier gelistet sind:
Abschließbare Garage
Garage oder Carport: 13 von 30 Häusern. Die Maschine steht nachts trocken und aus dem Blick.
Trockenraum
Trockenraum: 9 von 30 Häusern. Nasse Kombi und Handschuhe sind morgens wieder tragbar.
Schrauberecke & Waschplatz
Schrauberecke: 2 von 30 Häusern. Werkzeug, Kettenspray und ein Platz zum Abspritzen.
Tourentipps vom Wirt
Tourentipps vom Gastgeber: 8 von 30 Häusern. Gefahrene Strecken statt Prospektrouten.
Ladepunkt
Lademöglichkeit: 4 von 30 Häusern. Für alle, die elektrisch unterwegs sind.
Geprüfte Bewertungen
Gästebewertungen liegen vor für 30 von 30 Häusern.





